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Manipuliert Google die Suchergebnisse?

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Vor kurzem wurde wieder einmal der Vorwurf laut, Google manipuliere seine Suchergebnisse. Ich wurde von www.ibusiness.de gebeten, dazu eine Stellungname zu verfassen. Da in dem kompakten Artikel nur ein kleiner Teil meines Statements Platz fand und der Vorwurf der Manipulation in steter Regelmäßigkeit aufkommt und das Thema nach wie vor aktuell ist, habe ich mich entschlossen, mein persöhnliches Statement zu diesem Thema in unserem Blog zu veröffentlichen:

Der Vorwurf von Eckhard Bremer, dem Anwalt des Verbandes deutscher  Zeitschriftenverleger (VDZ), Google würde Seiten von Kooperationspartnern und eigene Produkte „auffallend“ und „stets“ an vorderster Stelle darstellen, ohne sie als Werbung zu Kenzeichnen, ist meiner Meinung nach völliger Unsinn. Was Google nicht als Werbung kennzeichnet, ist auch keine. Dafür gibt es viele Gründe, unter anderem Googles Firmenphilosophie, Google’s Verhalten in der Vergangenheit oder der Umstand, dass sie rechtlich dazu verpflichtet sind, Werbung zu Kennzeichen sowie viele weitere. Viel entscheidender ist jedoch der Umstand, dass Googles viel beschworenes „Monopol“ auf der Zufriedenheit seiner Nutzer basiert. Wenn Google anfangen würde, derartig plump seine Ergebnisse zu manipulieren, würden sie Nutzer verlieren und das können und wollen sie sich nicht leisten.

Richtig ist, dass zu bestimmten Suchbegriffen von Google zusätzliche Informationen wie Bilder, Karten, Videos usw. eingeblendet werden. Universal Search genannt. Diese lenken natürlich Aufmerksamkeit von den 10 Suchergebnistreffern auf google-eigene Services. Darüber hinaus experimentiert Google mit zusätzlichen Auszeichnungen wie Reviews bei Produkten oder Standbildern von vorgeschlagenen Videos. Dies alles kann Google natürlich nur, wenn sie auf diese Zusatzdaten zugreifen können. Diese Daten wiederum haben sie zunächst natürlich bei eigenen Projekten und bei Partnern. Rankingmanipulationen sind dies aber noch lange nicht. Hier sollte auch ganz genau unterschieden werden, schließlich kann man – wenn man es denn möchte - Partner von Google werden oder Maßnamen wie Suchmaschinenoptimierung ergreifen, vorausgesetzt, Google ist weitestgehend neutral. Wenn Google heimlich manipulieren würde, und das ist im Kern der Vorwurf, wäre dies alles ja vergebens.

Bei jedem größeren Google-Update sind die einschlägigen SEO-Foren voll von enttäuschten und frustrierten Hobby-SEOs bzw. Webmastern, die sich im Zuge des jeweiligen Updates verschlechtert haben. Dank mangelnder Bereitschaft die Probleme bei sich selbst bzw. den eigenen Produkten zu suchen, ist die mit Abstand beliebteste Verschwörungstheorie, dass ausgerechnet sie von Google verbannt wurden, damit die Ergebnisse bei Google schlechter werden und Google mehr über AdWords verdienen könne. Ungefähr in diesem Bereich würde ich die Beschwerden der großen Verlage auch ansiedeln.

Ich denke daher vielmehr, dass der Vorwurf auf völligem Unverständnis der Technologie hinter einer Suchmaschine basiert und in erster Linie vom Interesse geleitet ist, Google den Verdacht einer Manipulation unterzuschieben. Warum sonst werden die doch so auffallenden Suchbegriffe nicht offen kommuniziert? Vielleicht, weil die Fachleute dann noch mehr über die selbsternannten Google-Jäger lachen würden? Hat da jemand Angst vor noch mehr Häme aus der Blogger Szene? Der Öffentlichkeit soll frei nach dem Motto “Wo Rauch ist, ist auch Feuer” der Verdacht untergejubelt werden, dass da “ein amerikanischer Konzern”, während er die wertvollen Arbeitsplätze deutscher Qualitätsjournalisten vernichtet, gleichzeitig auch noch den armen unwissenden deutschen Otto-Normal-Surfer manipuliert. Was für ein Skandal! Dies ist in meinen Augen nichts weiter als der Versuch, die öffentliche Meinung zugunsten unsinniger und einseitiger Maßnamen, wie einer Senkung (oder gar Abschaffung) der Mehrwertsteuer für Zeitungsverleger, zu beeinflussen.

Die großen Zeitschriftenverleger haben in den letzten 20 Jahren schlicht und ergreifend ihre Chance verschlafen, im Internet Möglichkeiten aufzubauen, um mit Content Geld zu verdienen bevor ihre etablierten und bequemen Geschäftsmodelle wirklich begannen zu erodieren. Nun kämpfen sie mit unlauteren Methoden um einen Anteil, der Ihnen nicht im Geringsten zusteht.

Google verwendet Snippets um seine Suchergebnisse für den Suchenden sinnvoll zu gestalten und ihm die Möglichkeit zu geben, sich für bestimmte Treffer zu entscheiden. Mit dem Content der „Qualitätsjournalisten“ verdient Google eigentlich kein Geld. Je nach philosophischer Überlegung bestenfalls indirekt. Google zahlt für diesen Content im Übrigen mit etwas extrem wertvollen, der Währung im Informationszeitalter schlechthin: die Aufmerksamkeit der Nutzer, welche auf Googles Ergebnisse klicken und unter anderem bei den Online-Angeboten von Verlagen landen. Hier liegt auch das Hauptproblem der Verlage, sie sind plötzlich einer bunten Vielfalt von Konkurrenten unterworfen und nicht mehr am Zeitungskiosk unter sich.

Wer es nicht schafft mit dieser neuen Aufmerksamkeit Geld zu verdienen, wer es nicht schafft in einem neuen Konkurrenzumfeld mit alternativen Informationsquellen zu bestehen und wer so verzweifelt versucht, den Wandel aufzuhalten, stellt sich auf eine Stufe mit vorindustriellen Heimarbeitern, Webern und Holzschuhproduzenten oder Großgrundbesitzern. Logischer Weise wird sich die Entwicklung ihrer gesellschaftlichen Bedeutung auch entsprechend vollziehen: manche werden es schaffen sich anzupassen, viele werden von der Bildfläche verschwinden.

Das Kernproblem der Contentproduzenten – in der Reihenfolge Musik, Film und Text – liegt in veränderten Marktregeln, an welche sie sich nicht anpassen wollen oder können. Mit juristischen Spielchen künstlich zu versuchen den alten Marktregeln wieder nahe zu kommen ist geradezu utopisch, was die Musikindustrie bereits lernen musste.

Darüber hinaus könnte jeder, der im Google Index enthalten ist, mit der gleichen Argumentation Anteile von Google verlangen und nicht nur unsere deutschen „Qualitätsjournalisten“. Diese Argumentation würde das Prinzip einer Suchmaschine an und für sich in Frage stellen, wovon niemand etwas hätte. Nicht einmal die Verlage mit ihren Onlineportalen.

Viele Grüße, Andreas F. Hoffmann

5 Antworten zu “Manipuliert Google die Suchergebnisse?”

  1. SebastianNo Gravatar sagt:

    Sehr geiler artikel!
    … aber verständniss haben sie schon verdient :) : jammern (sorry: klappern) gehört zum handwerk, besonders in den anstrengenden zeiten, in denen althergebrachte geschäftsmodelle nicht mehr den verspochenen roi bringen.
    zumal ist es noch praktisch, wenn man den ganzen ärger auf den vermeintlich einen “evil google” schuldigen projezieren kann
    ..würde es genauso machen :)

  2. MatthiasNo Gravatar sagt:

    Gratulation zu diesem sehr klaren und präziesen Artikel. M.E. haben die Macher der Old-Economie-Schreiberei noch garnicht begriffen, dass Google nicht das Problem ist sondern die Statik ihres Mediums, die sozusagen von Interaktions-Konkurrenten ausgenockt werden. Ich denke, das WWW ist eine tolle Chance für Zeitschriftenverleger, direkter an ihre Leser heranzukommen. Viele nutzen dies nicht aus Unwissenheit und der Furcht vor kostenlosem, werbefinanziertem Content.

  3. FredNo Gravatar sagt:

    Ja, es gibt wenige Leute die sich auf die Seite von Google stellen Hohe Bäume fangen nun mal viel Wind. Ich glaube eigentlich dass beide Seiten etwas Recht haben. Google ist kein gemeinnütziges Unternehmen und probiert natürlich den maximalen Profit mit seiner Suchmaschine zu machen. Sicher in einer Krisenzeit wie im Moment.
    Andererseits haben die Zeitschriften natürlich ein Problem. Mit dem Internet haben Sie ihr Monopol verloren. Jeder kann einen Blog erstellen und was auch immer. Es gibt so viel von allem gratis im Internet zu lesen dass es eigentlich keinen Grund gibt um noch dafür zu bezahlen. Und dieses Problem ist grösser als ihr Problem mit Google.

  4. PeterNo Gravatar sagt:

    Der Google Wahn geht einem langsam auf den Geist.
    Yahoo liefert eindeutig bessere und nicht vorgefilterte Suchergebnisse.
    Ich beobachte schon eine ganze Zeit mit mehreren Webseiten wie Google tickt.
    Da verschwinden plötzlich Einträge die lange da waren. Dafür kommen unwichtige Einträge zum Vorschein. Am nächste Tag kann alles wieder anders sein.
    So etwas habe ich bei Yahoo noch nicht erlebt.
    Für mich ist Google gestorben.

  5. SebastianNo Gravatar sagt:

    Wirklich guter Artikel. Ich denke Google weiss sich besser zu helfen als das sie irgendwas manipulieren müssten. Aber bin doch auch eher Yahoo-Fan. Aber Google ist wohl einfach das Maß der Dinge. Zumindest heute und in naher Zukunft.

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