Semantic Web durch die Hintertür
Mitte Mai hat Google auf der Searchology 2009 und in seinem Webmaster Central Blog ein auf den ersten Blick kleines, interessantes Feature angekündigt: Rich Snippets.
Dabei handelt es sich um die Möglichkeit im eigenen Quellcode einer Webseite Produkt-Ratings und Preise auszuweisen, damit Google diese Informationen gesondert hervorheben kann. (Siehe Bsp. Screenshot von Google).
Dies ist doch auf den ersten Blick eine tolle Möglichkeit, um höhere Klickraten und damit mehr Nutzer aus Google zu bekommen. Wird SEO dann in Zukunft nicht zu großen Teilen darin bestehen, die Seiten der Kunden korrekt zu Taggen, damit sie von Google entsprechend hervorgehoben werden?!
Die Antwort darauf lautet (leider) Nein! Das Thema ist deutlich komplizierter. Ebenfalls auf der Searchology 2009 hat Google auch einen Dienst namens Google Squared angekündigt. In erster Linie handelt es sich dabei um eine Art Fakten(such)maschine. In einer solchen Suchmaschine wird nicht etwa - wie gewohnt - eine Liste mit Links aufgezählt, die (hoffentlich) zu dem eingegebenen Suchbegriff passen, sondern direkt die relevanten Inhalte zu der Anfrage präsentiert.
Sicher war die Ankündigung von Google Squared unter anderem ein vorgezogenes 20%-Projekt, das als Reaktion auf den Start von Wolfram | Alpha, der Faktensuchmaschine des Mathematikers und Softwareunternehmens Stephen Wolfram, eilig eine höhere Priorität bekommen hat.
Interessant wird es jedoch, wenn man die beiden Projekte mal im Zusammenhang betrachtet: Auf der einen Seite führt Google das Semantic Web durch die Hintertür ein. Ohne Frage ein Großes Projekt, über das viel geschrieben wurde und wird, das jedoch nie richtig in Fahrt kam (die Anreize für Webmaster, Ihre Inhalte mühselig zu taggen, fehlte schlichtweg).
Auf der anderen Seite gibt es das Projekt, den Nutzern direkt die Inhalte des Webs aufzubereiten, ohne dass diese die Webseite des Suchgiganten verlassen müssen.
Aber wo bleiben dabei die Webseitenbetreiber? Wie bekommen sie ihre Nutzer, die ihnen ihr überleben sichern? Ganz einfach: Sie kaufen AdWords neben den automatisch generierten Inhaltsseiten auf Google! Ob das im Interesse der Webseitenbetreiber liegt, die sich vorher die (aufwändige) Mühe gemacht haben, ihre Inhalte kostenlos für Google in eine maschinenlesbare Form zu bringen?
Damit mich niemand falsch versteht: Semantic Web und die damit verbundenen Möglichkeiten sind spektakulär. Aber meiner Meinung nach gibt es bei diesem System, wie es sich nun abzeichnet, ein paar erhebliche Denkfehler.
Mir fehlt noch das richtige Argument, um unseren Kunden in Zukunft zu empfehlen, sich den zusätzlichen Arbeitsaufwand der semantischen Auszeichnung ihrer Inhalte zu machen, nur um dann seine Nutzer einkaufen zu müssen? Was meint Ihr dazu? Alles nur Panikmache? Oder noch untertrieben?


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28. Mai 2009 um 10:14
Interessanter Hinweis auf Google Squared, da auch andere semantische Suchmaschinen die “Summarize”-Funktion für die Inhalte bieten. Die Nutzer
würden dann nur bei relevanten Inhalten auf die Seiten klicken und insgesamt wahrscheinlich weniger Klicks verursachen.
Auf die Suche nach einem neuen Geschäftsmodell sollten sich dennoch weniger die Endanbieter von Online-Content begeben, sondern die SEO-Firmen, denn zumindest ein Teil der Geschäftsgrundlage wird für diese wegfallen.
Als Endnutzer finde ich diese Entwicklung gut, denn dann ist die Suche zeiteffizienter und man wird nicht unnötig auf wenig relevante Inhalte aufmerksam gemacht. Das ist zumindest die Hoffnung!
29. Mai 2009 um 15:40
Also dann bei Adwords seine Besucher einzukaufen geht dann doch zu weit…Warum macht man SEO ? Genau, um gefunden zu werden und das ohne Kosten zu verursachen…Ich spreche da von mir der seine eigene Seite optimiert…. Das viele Suchergebnisse nicht die gewünschten Informationen ist ja leider altbekannt… aber ob es so besser wird …das bleibt abzuwarten…
31. Mai 2009 um 20:32
[...] hat. Bin mal gespannt, wie das Thema weitergeht. Search-Lab spricht hier von einer Einführung des semantischen Webs durch die Hintertür. Was meiner Meinung nach nicht der Fall ist. Da es zum einem keine allumfassende Ontologie gibt [...]
25. Juni 2009 um 15:32
@ Ingo: Genau der Meinung bin ich auch.. ich denke nicht dass es besser wird aber wie du schon sagst..einfach abwarten !
30. Juni 2009 um 13:46
Für die SEOs sehe ich keine Gefahr den ADWORDS ist nicht jedermanns Sache.
SEO Experten werden immer Ihr betätigungsfeld haben. Wir können nicht immer alle auf den ersten Plätzen stehen. Der durchschnittliche google user gibt 2,2 Wörter in das Suchfeld ein.