Gleicher als Andere
Wie heißt es so schön, alle sind gleich, nur manche sind gleicher! Der medienwirksame Rauswurf von bmw.de aus dem Googleindex wegen eindeutiger Verstöße gegen Googles Nutzungsbedingungen war eine Aktion, die wir bei Searchlab sehr begrüßt haben. Heute bekommt dieser Vorgang aber eine völlig andere Wendung, denn die Seite ist schon nach wenigen Tagen wieder im Index der Suchmaschine vertreten!
Für viele normale Nutzer hatte Google schon nach seiner Unterstützung der chinesischen Zensur erheblich an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Philipp Lenssen brachte es in seinem Blog schön auf den Punkt: “It’s not Google’s dirt, but they decided to walk through it”.
Für viele SEOs ist aber spätestens heute das Ende erreicht:
Google hat offensichtlich endgültig aufgegeben seine Objektivität, die sich in ihrem Motto “Don’t be evil” widerspiegelt, noch länger zu verteidigen. Fast jeder SEO hat schon einmal eine Seite an Google verloren und normalerweise kommt man nur wieder in den Index zurück, wenn man sich via E-Mail der Prozedur eines so genannten “Reinclusion Request” unterzieht. Auf jeden Fall lief da bisher kaum etwas unter einer Sperre von 30-90 Tagen.
Dass Google hier offensichtlich ein PR-wirksames Exempel an einer sehr bekannten Webseite statuieren wollte, ist ja an sich eine sinnvolle Maßname, aber extrem kontraproduktiv ist dabei das hohe Maß an Inkonsequenz. Die Botschaft ist somit klar: kleine Spammer bleiben draußen, Große lassen ihren amerikanischen Anwalt in Kalifornien anrufen und drohen mit der Kündigung ihres Premium-AdWordsaccounts.
Matt Cutts von Google schreibt dazu:
I appreciate BMW’s quick response on removing JavaScript-redirecting pages from BMW properties. The webspam team at Google has been in contact with BMW, and Google has reincluded bmw.de in our index.
Das ist die Begründung für eine prompte Wiederaufnahme in den Index. Eine Farce, denn jeder Spammer entfernt sofort die offensichtlichen Spammethoden, nachdem er bei Google gebannt wurde. Aber hier geht es noch weiter. Offensichtlich hat Google BMW auch mitgeteilt, dass sie entfernt werden und auch warum. Dies ist ein Maß an Entgegenkommen das sie, nachzulesen in den einschlägigen Foren, jedem Anderen bisher verweigert haben.
Welche Botschaft sendet Google damit an die Webseitenbetreiber und wird dieser Vorgang die Qualität der Ergebnisse bei Google erhöhen?
Die Qualität wird sich dadurch nicht ändern. Zwar schreckt man so viele Betreiber von Webseiten auf, die in Zukunft ihre Manipulationen nicht mehr ganz so plump unterbringen werden. Aber den Weg einer technischen Erkennung von Spam hat Google eindeutig verlassen. Und das ist wirklich eine schlimme Nachricht! Man mus sich fragen, ob Google hier das Ende seiner automatisierten Kapazitäten erreicht hat, wenn sie Spam nicht mehr mit Technik, cleveren Algorithmen und einer Gleich(schlecht)behandlung der Spammer bekämpfen, sondern mittels einer halbherzigen PR-Aktion.
Für Firmen wie BMW scheinen somit andere Gesetzte zu gelten. Netter Nebeneffekt für BMW.de ist dabei auch die medienwirksame Gratispromotion, denn wenn man sich einmal die Grafiken bei Alexa ansieht, kann sich BMW über zusätzlichen Traffic freuen:
Sauber gemacht von Google! So wird jeder Spamer motiviert seine Aktionen besser technisch zu tarnen und die großen Portale und E-Commerceseiten, die inzwischen alle auf SEO setzen, können beruhigt die Grenzen zum Spam weiter auszuloten, denn ab einer gewissen Größe wird man ganz offensichtlich nicht mehr konsequent bestraft.










RSS 2.0
22. Februar 2006 um 18:52
[...] Sehr lange hat es ja nicht gedauert, bis automobile.de wieder im Index ist und seinen 5er Pagerank zurück hatte. Scheinbar ist der “Reinclusion Request� schneller als sonst umgesetzt worden. Dies führt natürlich zu Spekulationen, ob das nun immer so funktioniert oder ob das mehr an der Medienwirksamkeit lag. Automobile.de war zumindest in den Blogs ein größeres Thema, noch vor dem Rauswurf von bmw.de. Andere in der aktuellen Spambekämpfungswelle entfernte Seiten wie jobware.de sind kaum genannt worden und immer noch nicht wieder im Index der Suchmaschine. [...]
21. Oktober 2006 um 22:07
[...] Der Handlungsspielraum des Empfängers ist nach Erhalt der Nachricht recht beschränkt. Nach einer Frist von dreißig Tagen kann der Webmaster um Wiederaufnahme bitten. Dass es auch mal schneller gehen kann, bewies die Wiederaufnahme von bmw.de, die Site des Autoherstellers war nach wenigen Tagen wieder bei Google zu finden. [...]
11. Januar 2007 um 15:27
[...] Diesen extremen Anstieg der Besucherzahlen kennen wir ja noch von dem Rauswurf von BMW aus dem Google-Index. [...]
9. Mai 2007 um 18:17
[...] lässt Erinnerungen an ähnliche Vorgehensweisen beim anderen deutschen Autohersteller BMW aufkommen. Der größte Teil des Textes stellt nun die [...]